Nicht die Entwicklung des Sakraments der Taufe während der tausendjährigen byzantinischen Geschichte gilt es hier zu erörtern;1 der liturgiewissenschaftliche Aspekt wird in diesen Zeilen bestenfalls einen Randaspekt darstellen. Stattdessen werde ich mich auf einige Aspekte konzentrieren (wenn auch in unterschiedlicher Intensität), die dem vorgegebenen Thema – (gesellschaftliche) Inklusion und Exklusion2 – entsprechen.3 Es soll also um ausgewählte Aspekte des Themenkomplexes »Taufe« gehen, die Relevanz für die Rechtsgeschichte, aber auch für die Gesellschaftsgeschichte in einem allgemeineren Sinne (inklusive gewisser Bezüge zur politischen Geschichte bzw. zur Missionsgeschichte) aufweisen.
Die Taufrituale bzw. die konkrete Ausgestaltung des Sakraments der Taufe, wie sie in den verschiedenen Euchologia festgehalten sind,4 wandelten sich im Laufe der Jahrhunderte und passten sich in einem kontinuierlichen Prozess den sich wandelnden historischen Verhältnissen an.
Seit dem 5. Jahrhundert wurde der Pädobaptismus die Regel.5 Die Taufe von Säuglingen und Kindern ist allerdings schon sehr viel früher belegt. Die Synode In Trullo (danach Trullanum genannt; bzw. als Quinisextum bezeichnet, da diese Synode sich auf das fünfte [Constantinopolitanum II; 553] und sechste [Constantinopolitanum III; 680/681] ökumenische Konzil bezog. Beide Konzile hatten keine Kanones erlassen, was nun 691/692 nachgeholt wurde) legte im Kanon 84 fest, dass bei Säuglingen und Kleinkindern, die sich nicht artikulieren können und für deren eventuelle Taufe keine Zeugen vorhanden sind, erneut eine Taufe vorzunehmen ist.6 Dieser Kanon zitiert aber eine Bestimmung einer Synode in Karthago (Kanon 72) im Jahre 419,7 was zeigt, dass zumindest in Nordafrika die Säuglings- bzw. Kindertaufe schon recht früh verbreitet war.8 Es gibt Belege dafür, dass bereits ab ca. 200 die Kindertaufe existierte9 und – zumindest regional – weit verbreitet war. Man kann davon ausgehen, dass die Kindertaufe schon sehr früh in den bereits christianisierten Familien praktiziert wurde. Die Erwachsenentaufe mit vorhergehendem Katechumenat betraf naturgemäß erwachsene Menschen anderer religiöser Zugehörigkeit (was nicht immer »Heidentum« bedeuten musste), die Christen werden wollten (oder sollten). Das immer wieder herangezogene Beispiel Konstantins des Großen, der sich bekanntlich erst auf dem Sterbebett taufen ließ (und das auch noch von einem Häretiker),10 sollte also nicht flächendeckend verallgemeinert werden. Wie schon gesagt, sind natürlich erhebliche regionale Unterschiede zu beachten, wobei insbesondere Nordafrika und Italien, aber auch bestimmte Regionen des Nahen Ostens bekanntlich schon in relativ starkem Maße christianisiert waren.
Die Taufe erleichterte seit dem 4. Jahrhundert, nach der sog. Konstantinischen Wende,11 maßgeblich eine zivile oder militärische Karriere. Allerdings muss die Christianisierung des römischen Staates als ein langwieriger Prozess angesehen werden. Zur Staatsreligion wurde das Christentum |bekanntlich erst am Ende des 4. Jahrhunderts, unter Theodosios I.12 Bereits unter Konstantin dem Großen (genauer: ab 319) wurden Gesetze gegen Polytheisten erlassen.13 Aber erst in CTh 16,10,12 (Theodosios I.) wird das Heidentum erstmals als crimen bezeichnet »und juristisch in die Nähe von Majestätsverbrechen gebracht«.14 CTh 16,5,40 nannte den Manichäismus ein crimen publicum. Es kam nun auch (wenn auch vereinzelt) zu den ersten Zwangstaufen.15 Die nachfolgenden Kaiser verschärften zunehmend die antiheidnischen Rechtsnormen (Theodosios II. – CTh 16,10,21 [der heidnische Kult als crimen und error]; Leon I. – C. 1,11,8 [a. 472; pagana superstitio als crimen publicum]). Justinian schließlich (siehe bes. C. 1.11.10 [= B. 1.1.20]16) ging dann wesentlich weiter und verordnete nötigenfalls Zwangstaufen.17 Bei »Unaufrichtigkeit« der so zum Christentum Geführten drohten harte Strafen (bis hin zur Todesstrafe). Noch Ungetaufte sollten mit ihrer gesamten Familie zur Kirche kommen und sich taufen lassen – ansonsten drohte ihnen der totale Besitzverlust (C. 1.11.10.1.3).18 Unmündige Kinder von Heiden sollen jetzt sofort getauft werden, ältere nach vorheriger Unterweisung im Katechumenat (C. 1.11.10.5). Zumindest in der Theorie galt dies die gesamte byzantinische Zeit hindurch. Die Aufnahme dieser Normen in die Basiliken19 und in den Nomokanon in XIV Titeln20 beweisen zumindest, dass diese Sanktionsmöglichkeiten stets bekannt waren.21 Ausführlich wurden sie auch in die sog. Collectio tripartita,22 eine Sammlung kirchenrechtlich relevanter Bestimmungen der justinianischen Gesetzgebung aus dem Ende des 6. Jahrhunderts, aufgenommen.23 Damit im Zusammenhang ist das Auftreten dieser Normen auch in der sog. Appendix Eclogae zu sehen.24
Über Heidenverfolgungen im 6. Jahrhundert berichten verschiedene Quellen.25 Johannes von Ephesos rühmte sich in seiner Kirchengeschichte (ca. 545/546 datiert) selbst in Konstantinopel Heiden aufgespürt zu haben, was zu entsprechenden Anschuldigungen und rigiden Maßnahmen (inklusive Folter) gegen zahlreiche Patrikioi, Grammatiker, Sophisten, Scholastikoi und Ärzte geführt habe.26 Selbst der ehemalige praefectus praetorio per Orientem und patricius Phokas war betroffen. Er beging Selbstmord.27 Auch in diesem Fall erscheint es allerdings eher wahrscheinlich zu sein, dass es sich eigentlich weniger um Heidenverfolgungen handelte, sondern um die Auseinandersetzung Justinians mit der sog. Senatsaristokratie, deren Angehörige einen Lebensstil praktizierten, der sie angreifbar für antiheidnische Verfolgung |und Denunziationen (in anderen Fällen für den Vorwurf des Hochverrats) machte. Rigorose Heidenverfolgungen konnten also durchaus nichtreligiöse Hintergründe haben, zumindest partiell.
Nach Justinians Tod setzten sich die Heidenverfolgungen unter den Kaisern Tiberios I. (578–582) und Maurikios (582–602) fort.28 Ob es in allen Einzelfällen tatsächlich »nur« um die Verfolgung Andersgläubiger (aus der aristokratischen Oberschicht) handelte oder ob die Heidenverfolgung als Mittel der Austragung sozialer und politischer Konflikte benutzt wurde (wie eben bereits für die Zeit Justinians angedeutet), müsste noch eingehend untersucht werden.29 Danach hörten die Verfolgungen sog. Heiden (im Stil der Spätantike) auf. Gelegentlich auftauchende diesbezügliche Vorwürfe (meist im Zusammenhang mit der Unterstellung, magische Praktiken betrieben zu haben – etwa im Kontext des Bilderstreites –) gehören ins Reich der Polemik bzw. Diffamierung (man denke etwa an Ioannes VII. Grammatikos [842–843]30). Auf die Integration durch Christianisierung bzw. Taufe von »heidnischen« Slawen soll gleich eingegangen werden.
Ein situativ begründeter Pragmatismus zeichnete allerdings auch das spätrömische Reich und seine Religionspolitik aus. Noch in der Regierungszeit Justinians, der sich in einem erheblichem Maße als christlicher Kaiser stilisierte, der selbst umfangreiche theologische Schriften verfasste und dessen Gesetzgebung mit Nachdruck das Christentum beförderte und konkurrierende Glaubensrichtungen – seien sie christlich oder nichtchristlich – verfolgte,31 duldete man sog. Heiden in hohen und höchsten Staatsämtern oder setzte sie sogar wegen ihrer Fachkenntnis und Kompetenz bewusst ein. Man denke nur an den berühmten Tribonian, den langjährigen quaestor und einen der Hauptverantwortlichen für die Zusammenstellung der Rechtskodifikation Justinians.32 Auch unter den Prätorianerpräfekten des 5. und 6. Jahrhunderts finden sich einige Nichtchristen, mehr noch unter den Offizieren föderierter Truppen.33 Es gab also bestimmte Fälle, in denen das Fehlen einer Taufe nicht zur Exklusion aus den höchsten Schichten der Gesellschaft führte. Im 6. Jahrhundert war das sicher kein Massenphänomen, aber eben dennoch möglich. Das änderte sich erst am Ende dieses Jahrhunderts, als es zu brutalen Verfolgungen von »Heiden«, meist Angehörigen der Oberschicht (Anhängern des philosophischen Neuplatonismus) kam.34 Auch in dieser Zeit spielten verschiedene politische und soziale Ursachen (zumindest im Hintergrund) eine wesentliche Rolle, werden jedoch durch den explizit religiösen Charakter der relevanten Quellen überdeckt.
Die Durchsetzung der Kindertaufe führte zu einer schwindenden Bedeutung des Katechumenats im herkömmlichen Sinne35 – wenn man so will, war diese Entwicklung eine Begleiterscheinung und logische Folge der umfassenden Christianisierung des Oströmischen Reiches. Spätestens im 7. Jahrhundert war es keine lebendige Institution mehr in Byzanz.36 Allerdings wurde dort37 weiter die Bekehrung von Heiden und Häretikern (insbesondere sog. Manichäer und sog. Montanisten wurden »wie Heiden«, ὡς ἕλληνας, behandelt; hinzu kamen natürlich die Juden) praktiziert. In einem zweistufigen Verfahren (auf das hier nicht weiter eingegangen werden soll)38 wurden die Betroffenen auf die Taufe vorbereitet. Die im Jahre 741 promulgierte Ecloga, das berühmte Rechtsbuch der Kaiser Leon III. und seines Sohns Konstantins V., verfügte allerdings (17.52): »Manichäer und Montanisten sollen mit dem Schwert bestraft werden.«39 Diese Bestimmung geht auf C. 1.5.16 (und frühere Gesetze) zurück.40 Es wurde in der wissenschaftlichen Literatur viel gerätselt, was dieses Gesetz für die Geschichte des 8. Jahrhunderts bedeutete bzw. welche »Häretiker« nun, im 8. Jahr|hundert, mit den ahistorisch gewordenen Etiketten »Manichäer« bzw. »Montanisten« bezeichnet wurden.41
Zwar gab es, wie gesagt, nach dem 6. Jahrhundert keine Polytheisten im klassischen Sinne der Spätantike mehr, doch stellten die historischen Ereignisse der Zeit seit dem 7. Jahrhundert Byzanz und die byzantinische Staatskirche vor neue Aufgaben. Seit dem ausgehenden 6. Jahrhundert hatten slawische Stämme große Teile des Balkan und Griechenlands besetzt. Erst seit dem 8. und 9. Jahrhundert konnte man allmählich diese Bevölkerungsgruppen integrieren – und das hieß zunächst: Taufe. Die Kirche spielte eine hervorragende Rolle bei der Byzantinisierung (bzw. Gräzisierung) dieser slawischen Stämme bzw. bei ihrer Integration in den byzantinischen Staat und in die byzantinische Gesellschaft (nicht zuletzt als Steuerzahler und Rekruten für das Heer).42 Slawische Sprache und Kultur verschwanden rasch.
Die Entstehung und Expansion des Islam,43 das Aufkommen des (pseudomanichäischen) Paulikianismus (und dann des Bogomilismus)44 seit dem 8. Jahrhundert stellte die Kirche vor neue Aufgaben. Bereits seit dem 7. Jahrhundert traten (z.T. sehr große) Gruppen von Arabern zu den Byzantinern – und damit zum Christentum – über, sei es, um der drohenden Islamisierung zu entgehen, sei es, um dem Islam zu entkommen. In den 30er Jahren des 7. Jahrhunderts floh der letzte Ghassanidenkönig Ğabala b. al-Ayham, um nur ein Beispiel zu nennen, zu den Byzantinern, angeblich mit 30000 Kriegern (und deren Familien!).45 Sie waren miaphysitische Christen und wurden zweifellos zur Orthodoxie »bekehrt« und in Kleinasien angesiedelt. Erinnert sei z.B. auch an den »Fall« des Theophobos (persischer oder kurdischer Abstammung), der 834 mit einem großen Heer (mit Familien!) zu den Byzantinern übertrat und hier eine erhebliche Karriere machte.46 Tausende Mohammedaner mussten an den christlichen Glauben herangeführt werden, um schließlich getauft zu werden, was die conditio sine qua non für ihre erfolgreiche Integration in die byzantinische Gesellschaft war. Entsprechende Abschwörungs- bzw. Aufnahmeformeln sind überliefert.47 Die umfangreiche Umsiedlungspolitik der Byzantiner48 wie auch die permanente Einwanderung von nichtorthodoxen Armeniern machten es notwenig, individualisierte, den jeweiligen Glaubensspielarten angepasste Wege zur Taufe bereitzustellen.
Man unterschied grundsätzlich zwischen Angehörigen nichtchristlicher Religionen (»Heiden«, Mohammedaner, sog. Manichäer49) und christlichen Häretikern verschiedenster Couleur. Letztere konnten mit oder ohne Salbung50 in die Reichskirche aufgenommen werden.
Bereits am Ende des 6. Jahrhunderts fasste der Presbyter Timotheos (an der Hagia Sophia) die längst existierenden »Ketzerkataloge«51 (seit Epiphanios u.a.) zusammen und bot so eine Grundlage für die späteren Regelungen für die unterschiedliche Behandlung der Angehörigen diverser »Häresien«.52 Dieser Text taucht mit großer Regelmäßigkeit in den kanonistischen Handschriften auf (meist im Zusammenhang mit Kanonessammlungen und Nomokanones).53 Hier heißt es: »Drei Funktionen ( τάξεις) gibt es für diejenigen, welche sie der heiligen, göttlichen, allgemeinen und apostolischen Kirche zuwenden: Die erste Funktion bezieht sich auf jene, welche die heilige Taufe benötigen, die zweite auf jene, welche nicht der |Taufe sondern der Salbung mit dem Chrisam bedürfen,54 die dritte endlich gilt für jene, welche weder der Taufe noch der Salbung bedürfen, sondern ihre eigene und jede Sekte verwerfen.«55 Dies beschreibt kurz und bündig die Praxis, wie sie in den folgenden Jahrhunderten (im Grunde bis heute) in der Ostkirche zu beobachten ist.
Weiter ausgeführt wird das Problem der Aufnahme von »Häretikern« im Kanon 95 der für die Entwicklung des Ostkirchenrechts so wichtigen Synode in Trullo.56 Dieser Kanon handelt »darüber, wie man die von der Häresie Umkehrenden aufnehmen soll«. Wie üblich, nimmt dieser Kanon Bestimmungen älterer Konzilien auf,57 ist z.T. sogar identisch mit dem sog. Kanon 7 des Constantinopolitanum I (381) (der eigentlich ein Auszug aus einem Brief des Patriarchen Gennadios [† 471] an Martyrios von Antiocheia darstellt58). Es werden verschiedene Kategorien von Häretikern aufgelistet, die entsprechend verschieden behandelt werden (sollen). Arianer, Makedonianer und Novatianer59 z.B. brauchten »nur« die Myronsalbung60 über sich ergehen zu lassen. Die Paulianisten hingegen (Anhänger des Paulos von Samosata)61 sollten wiedergetauft werden (ἀνα- βαπτίζεσθαι). Eunomianer,62 Montanisten und Sabellianer und die Vertreter »alle(r) anderen Häresien« sollen wie Heiden behandelt werden, d.h. sie mussten das Katechumenat absolvieren und den Exorzismus, um schließlich getauft zu werden. Ebenfalls erneut getauft werden Manichäer, Valentinianer, Markioniten und ähnliche Häresien. Nestorianer, Eutychianer, Severianer (also Miaphysiten) müssen jeweils ein schriftliches Libell vorlegen, worin die »Gründer« ihrer jeweiligen Häresie (Eutyches, Dioskoros von Alexndreia, Severos von Antiocheia) anathematisiert werden sollen (χρὴ ποιεῖν λιβέλλους).63 Diese schriftlichen Anathematisierungen, bezogen auf die jeweilige Häresie bzw. auf die Urheber derselben, sind in größerer Anzahl erhalten (s.u.).
Aber auch Juden und Heiden wurden einem ähnlichen Verfahren unterworfen. Ihre Diskriminierung nahm zu. Justinian verfügte in seiner Novelle 146 (a. 553)64 »Über die Juden« starke Einschränkungen der Kultausübung der Juden. Die orthodoxe Kirche entwickelte eine erhebliche Anzahl von sog. Abschwörungsformeln, die z.T. sehr ausführliche Aspekte des jüdischen Glaubens und der Glaubenspraxis beinhalteten, jedoch auch die Absage an Zauberei, den Satan usw. aufweisen, was deutlich auf die Sicht des Judentums seitens der »orthodoxen« Kirche verweist.65
Diese sog. Aufnahmeverfahren66 tauchen, wie gesagt, häufig in juristischen (besonders natürlich kanonistischen) Handschriften auf, sehr oft in Kombination mit sog. Nomokanones (insbes. dem Nomokanon in IX Titeln)67 oder sonstigen Kanonessammlungen. Es gibt derartige Texte für Häretiker im allgemeinen Sinne68 und für sog. Manichäer (Paulikianer, Bogomilen usw.).69 Gegen die sog. Phundagiagiten (eine Spielart der Bogomilen im 11. Jahrhundert) schrieb z.B. Euthymios vom Peribleptos-Kloster einen längeren Text, der u.a. |auch ihre Aufnahme in die Kirche thematisierte.70 Im Jahre 812 wurde die Hinrichtung aller Paulikianer und Athinganer (vor allem in Phrygien und Lykaonien) vom Kaiser Michael I. verfügt. Dem ging eine Synode voraus, die dem Kaiser eben diese Maßnahme vorschlug.71 Der Chronist Theophanes berichtet allerdings auch von Gegnern dieser Maßnahmen (insbesondere den Mönchen des Studiu-Klosters), notiert dann aber zufrieden, dass der fromme Kaiser nicht wenige dieser Häretiker exekutieren ließ.72 Eine weitere – ebenfalls relativ zeitnahe – Quelle erwähnt in dem Zusammenhang auch Maßnahmen gegen die Juden, doch scheint das nicht zu stimmen.73 Kurze Zeit später jedenfalls, so erfahren wir, habe der Kaiser den strategos des Thema Anatolikon, Leon (der spätere Kaiser Leon V.), beauftragt, die Verbannung der Paulikianer und Athinganer sowie die Konfiskation ihres Eigentums zu organisieren.74 Viele Paulikianer flohen deshalb in arabisch besetzte Gebiete (namentlich nach Melitene).75 Das führte zur Verschärfung des (nunmehr verstärkt militärisch ausgetragenen) Konflikts mit dieser dualistischen Sekte.
Schon im ältesten erhaltenen Euchologion76 (im Cod. Barb. gr. 336, noch vor 800 kopiert und wahrscheinlich nach 733 entstanden77) sind derartige Aufnahmeverfahren (mit Abschwörungsformeln) enthalten.78 Bei einer Anzahl von Häresien, die sämtlich im 8. Jahrhundert keine Rolle mehr spielten,79 brauchen ihre (ehemaligen) Anhänger nur erneut gefirmt zu werden. Andere (Nestorianer und Eutychianer [also Miaphysiten]) müssen schriftlich die »Urheber« ihrer Häresie anathematisieren, wie schon im Kanon 95 des Quinisextum vorgeschrieben worden war.80 Getauft werden müssen: Eunomianer, Montanisten, Manichäer und Sabellianer.81
Allerdings hatte sich spätestens im ersten Drittel des 7. Jahrhunderts das Problem des real existierenden »Manichäismus« im Byzantinischen Reich erledigt. Nach dem großen (und aus oströmischer Sicht endgültigen) Sieg über die Perser im Jahre 628, die ja große Teile der byzantinischen Ostprovinzen (inkl. Syrien und Ägypten) mehr als 10 Jahre lang okkupiert hatten, hatte man wohl noch mit Manichäern zu tun, die aus Persien eingesickert waren. Das legt jedenfalls das Zeugnis des Zeitgenossen Georgios nahe.82 Er betont in seinem Traktat De haeresibus ad Epiphanium,83 dass »bis heute« (μέχρι νῦν) die Häresie in Persien herrsche.84 Gelegentliche Erwähnungen von »Manichäern« in den Quellen späterer Jahrhunderte dürften in der Regel keine »wirklichen« Anhänger dieser Religion gemeint haben.85
Diese Abschwörungsformeln, die schriftlich niedergelegt waren und die diejenigen, die vom Manichäismus zum Christentum übertreten wollten, vorlesen und beschwören mussten, bieten sehr oft interessante inhaltliche Angaben, die Rückschlüsse auf Kenntnisse der byzantinischen Staatskirche von den jeweiligen anderen Religionen zulassen. Doch ist dies nicht der Ort, um diese Texte näher zu untersuchen. Jedenfalls formulierten sie die Voraussetzungen für eine durch die Taufe erfolgte Integration (oder Reintegration) in die byzantinische (orthodoxe) Gesellschaft und ihre Kirche und stellten mithin ein höchst wichtiges Integrationsinstrument dar.
Die armenische Kirche, die bekanntlich nur die ersten drei ökumenischen Konzilien akzeptiert (Chalkedon wird als »nestorianisch« verworfen), stand stets in unmittelbarer Auseinandersetzung mit der byzantinischen Staatskirche, die in all der Zeit ihrer Existenz auf eine Union hinarbeitete.86 Entsprechend wurden die Übertritte von Armen|iern geregelt.87 Dies war umso wichtiger, als gerade Armenier eines der wichtigsten demographischen Reservoirs für Byzanz darstellten. Zahllose Armenier traten im Laufe der Jahrhunderte in byzantinische Dienste (insbesondere im Heer) und – natürlich – war der Übertritt zum orthodoxen Glauben die grundlegende Voraussetzung für eine Karriere im byzantinischen Staat.88 Nicht wenige erreichten gar den Kaiserthron (Leon V., Basileios I., Romanos I. Lekapenos, Ioannes Tzimiskes).89
Nicht gänzlich geklärt ist die ethnische Zuordnung und Lehre der sog. Athinganer. Aber auch für die Angehörigen dieser Gruppe existieren Abschwörformeln.90 Seit der Rückeroberung großer Teile Nordsyriens in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts (unter Nikephors II. Phokas und Ioannes Tzimiskes) gerieten zahlreiche sog. Jakobiten (miaphysitische Christen) wieder unter direkte byzantinische Herrschaft.91 Weitere Formeln sind für die sog. Melchisedikianer und Theodotianer (die oft mit den Athinganern identifiziert wurden) erhalten.92
Gelegentlich berichten unsere Quellen über Zwangstaufen. Insbesondere gegenüber Juden wurde dieses radikale Mittel zu bestimmten Zeiten eingesetzt. Allerdings – und hier besteht m.E. ein sehr großer, ja ein entscheidender, Unterschied zu Praktiken im lateinischen Mittelalter – sind deren Anzahl und Umfang in der Spätantike und im östlichen christlichen Mittelalter, also in Byzanz, eher gering, wie es dann in Byzanz auch nie zu Judenverfolgungen stricto sensu kam, die mit den Progromen des lateinischen Mittelalters vergleichbar wären. Im 7. Jahrhundert, angesichts der islamischen Expansion, die das oströmische Reich fast vernichtete, kam es in Nordafrika und in Palästina zu Verfolgungen und Zwangstaufen von Juden,93 die aber Ausnahmen blieben und der konkreten historischen Situation geschuldet waren. Teile der jüdischen Bevölkerung kollaborierten mit den angreifenden Muslimen, wie sie schon vorher mit den Persern kollaboriert hatten.94 Die antijüdischen Maßnahmen blieben punktuell und kurzfristig und wurden nie eine langfristig verfolgte Politik, auch wenn im 8. und 9. Jahrhundert gelegentlich Massenzwangstaufen angeordnet wurden – aber auch diese Fälle (die Quellenlage ist meist schlecht) blieben ohne nachhaltige Wirkung, wenn sie denn nicht überhaupt lediglich »Verkündigungspolitik« waren.95 Einige Gelehrte zweifeln bis heute ihre Historizität an. Die Bemühungen des Kaisers Basileios I. zum Beispiel, die Juden seines Reiches mit Zwang zur Taufe zu bewegen, führten – so seine Biographie, geschrieben im Auftrage Konstantins VII. Porphyrogennetos – nur anfänglich zu Erfolgen. Nach seinem Tode wären die (scheinbar) bekehrten Juden zu ihrem alten Glauben zurückgekehrt.96
Nachdem seit dem 11. Jahrhundert sich die Seldschuken in Kleinasien etablierten, wurde das Problem der Renegaten zunehmend wichtig. Unter türkische Herrschaft geratene orthodoxe Byzantiner traten offenbar in großer Zahl zum Islam über, sei es, um unter dem neuen Regime einen besseren sozialen Status zu erwerben (einschließlich der Vermeidung der Sondersteuern für Nichtmuslime), sei es aber auch, dass der Übertritt aus Überzeugung zum Islam erfolgte.97 Nicht selten begehrten diese sog. Renegaten die Wiederaufnahme in die orthodoxe Kirche. Dafür fand man bald Regularien, wobei man sich auf die Kanones der Alten Kirche stützen konnte: z.B. die Kanones 10, 11, 12 und 14 des Nicaenum I (325), die eine erhebliche Toleranz zeigten (etwa im Unterschied zum Apostelkanon 62 oder zu den Kanones 73 und |81 des Basileios von Kaisareia). Es wurde eine zwölfjährige Buße gefordert.98 Die meisten der älteren Kanones forderten viel schwerere Bußen (z.T. lebenslang) oder verboten die Wiederaufnahme überhaupt.
Eine Wende99 stellte bereits die diataxis des Patriarchen Methodios (843–847) dar.100 Nachdem insbesondere das byzantinische Kleinasien mehr als ein und ein halbes Jahrhundert von (fast alljährlich durchgeführten101) arabischen Raubzügen heimgesucht wurde – tatsächlich ging es in erster Linie um Menschenraub (was in der Regel bedeutete, dass Kinder und junge Menschen entführt wurden [kleine Kinder und Ältere wurden getötet]) –, war es notwendig geworden, insbesondere bezüglich der entführten Kinder und Jugendlichen neue (»humanere«) Regelungen einzuführen, zumal es sehr oft zu Zwangsislamisierungen (insbesondere von Kindern und Heranwachsenden) kam. So wurde die Wiederaufnahme von Kindern und Jugendlichen, die unter Druck oder Unwissenheit das Christentum verleugnet und zum Islam übergetreten waren, nach diversen Bußen und Gebeten nach einigen Wochen gestattet. Allein für die Erwachsenen, die freiwillig zum Islam übergetreten waren, blieben die Regelungen des Heiligen Basileios (Kanon 73, 81) in Kraft: Der Renegat durften zwar wieder aufgenommen werden, war aber bis zum Tode von der Kommunion ausgeschlossen.102 Dieser Text taucht entsprechend in vielen kanonistischen Handschriften auf, was seine Bedeutung für das praktische Kirchenrecht bezeugt.103 Allerdings war in diesen Fällen von Apostasie und Rückkehr keine (erneute) Taufe nötig.
Nach dem 7. Jahrhundert tauchen in den relevanten Quellen zwar immer wieder »Heiden« auf, die zu bekehren sind und deren »Aufnahme« in die orthodoxe Kirche reguliert wird. Man adaptierte die Regelungen und Verfahren aus der Zeit vor dem 6. Jahrhundert, bezogen auf die diversen »heidnischen« Völkerschaften, mit denen Byzanz im Laufe der Zeit konfrontiert wurde (Kumanen, Petschenegen, Protobulgaren und besonders Slawen usw.). Gleiches gilt für »Manichäer« oder andere »Häresien«, die seit der Spätantike längst verschwunden waren, nun aber als Paulikianer (seit dem 8. Jahrhundert) und später als Bogomilen scheinbar wieder aufgetaucht waren. Hinzu kamen entsprechende Verfahren (und Abschwörungsformeln) für konvertierende Juden oder Mohammedaner.104
Aber Taufe und Christianisierung konnten auch Bestandteil einer aktiven Außenpolitik sein. Hunnenfürsten und Anführer anderer »Barbarenvölker« ließen sich in Konstantinopel taufen (mit dem Kaiser als Taufpaten) und wurden so in das römisch-byzantinische Bündnissystem integriert. Diese Praxis wurde über lange Jahrhunderte geübt (man denke nur an Vladimir den Heiligen und die »Taufe Russlands« oder die Christianisierung des Bulgarenreiches).105
Eine zunehmende Bedeutung kam indessen dem Phänomen der »rituellen, auch geistlichen Verwandtschaft, oder rituellen Bruderschaft« in Byzanz zu. Bruderschaft konnte verschienene Ursachen haben: a) eine natürliche, biologische, eine b) durch Adoption, c) durch gemeinsame Paten und schließlich durch den liturgisch vollzogenen und auch rechtlich geregelten Vorgang der adelphopoiesis. Zwei (oder auch mehrere) nicht blutsverwandte Männer schließen eine rituelle Bruderschaft. Die Kernbegriffe im byzantinischen Griechisch sind synteknia bzw. adelphopoiesis/adelphopoieia.106
Durch Taufpatenschaft wurde der biologische Sohn des Paten zum »rituellen Bruder« des Täuflings – ähnlich wie bei der Adoption.107 Die Byzantiner nutzten extensiv die Möglichkeit (spätestens seit dem 7. Jahrhundert nachweisbar) der »rituellen Bruderschaft/Verbrüderung«, um soziale Netzwerke zu konstituieren, die auch politischen, wirtschaftlichen und anderen Zwecken |dienten. Mitunter konnte dies auch eine größere politische Bedeutung haben, etwa als Justinian im Jahre 527/528 als Pate des Herulerkönigs Grepes sowie des Hunnenherrschers Grod auftrat.108 Hier wird deutlich, dass die Taufe auswärtiger (Barbaren-)Herrscher ein wichtiges Mittel der byzantinischen Außenpolitik geworden war. Die Taufe einzelner Herrscher führte in der Regel zur Taufe des gesamten Volkes, was dieses in den Einflussbereich des christlichen Imperium Romanum brachte. Im Jahre 864 ließ sich der Bulgarenkhan Boris taufen und nahm den Namen des regierenden byzantinischen Kaisers Michael III. an.109 Das war einer der größten Missionserfolge des Byzantinischen Reiches. Vielleicht noch wichtiger war die »Taufe Russlands« im Jahre 988.110 Dadurch wurde ein kultureller und auch politischer Vorrang in beiden Staaten konstituiert und durch die »Taufe eine beginnende geistige Verwandtschaft« geschaffen.111 Bemerkenswert ist ein möglicher eschatologischer Zusammenhang bei der Taufe der Bulgaren und der Kiever Rus’. Im Falle von Khan Boris legen das byzantinische Quellen nahe.112 Und das Jahr 988 ist »verdächtig« nahe am so gefürchteten Jahr 1000.113 Dieser Aspekt – Taufe aus »Angst« vor dem Jüngsten Gericht – ist m.W. bisher in der Forschung kaum thematisiert worden. Eine eingehendere Untersuchung der Entwicklung von Taufritus (im allgemeinsten Sinne) und Taufverhalten und Mission könnte interessante Ergebnisse generieren.
In der Sicht der Kirchenväter und zunehmend der Kirche insgesamt gehörte jeder (rechtgläubige) Christ als Bürger zum christlichen Römischen Reich, was nicht unbedingt der Constitutio Antoniniana von 212 widersprechen musste.114 Schon seit dem 4. Jahrhundert war die Reichszugehörigkeit in der Vorstellung der christlichen Zeitgenossen untrennbar mit dem christlichen Bekenntnis des Einzelnen verbunden (in der Theorie; tatsächlich hat man bis ins ausgehende 6. Jahrhundert mit [allerdings schrumpfenden] heidnischen Bevölkerungsgruppen zu rechnen115). Auch wenn die aktive Missionstätigkeit116 des spätantiken/frühbyzantinischen Kaisertums etwa verglichen mit der Mission unter den slawischen Völkern und Staaten seit dem 9. Jahrhundert117 eher gering war, betrieb namentlich Justinian (und ebenso seine Gattin Theodora) eine aktive Missionierung (natürlich mit dem Ziel der Taufe). Kompliziert wird die Einschätzung der auf Theodora zurückgehenden Missionsaktivitäten, förderte sie doch bekanntlich miaphysitische Missionare.118 Die Abchasen und Tzanen am östlichen Schwarzen Meer119 etwa lebten in einer Region (Kaukasus), die stets eine wichtige Rolle in den persisch-römischen Auseinandersetzungen spielte. Schon vor Grepis und Grod tauchte der König Tzath von Lazika (ebenfalls östliche Schwarzmeerregion) im Jahre 522 in Konstantinopel auf und bat Kaiser Justin I. um die Taufe.120 Er wurde nicht nur getauft, sondern der Kaiser krönte ihn auch noch zum König von Lazika (regierte 522 – ca. 527). Außerdem erhielt er eine aristokratische Gattin.121 Auf diese Weise festigte der Kaiser die römischen Positionen in der Kaukasusregion und etablierte befreundete bzw. abhängige Herrschaften.
Ebenfalls eine politische – insbesondere handelspolitische – Bedeutung hatte die Unterstützung der christlichen Äthiopier gegen das (jüdische) südarabische Reich der Himyariten.122 Aber abgesehen von den Missionsbemühungen außer|halb der Grenzen des Reiches in dieser Zeit, ist auf die intensive Binnenmission zu verweisen. Diese ist besonders mit dem Namen des bereits erwähnten Johannes von Ephesos verbunden.123
Eine eher »delikate« Angelegenheit war der Umgang mit den arianischen germanischen Völkerschaften. Man brauchte sie als Föderaten und entsprechend schonte man ihre Gefühle. Verfolgungen kamen kaum vor (sieht man von den antigotischen Ausschreitungen in der Mitte des 5. Jahrhunderts ab).124 Aber natürlich waren die zitierten Aufnahmeformeln für Arianer auch für die meist gotischen arianischen Föderaten gedacht.
Mission – und damit untrennbar verbunden – Taufe spielte also für das oströmische Reich eine zentrale Rolle, in theologischer wie in politischer Hinsicht. »Jede Ausbreitung des Reiches ist potentiell eine Ausbreitung des Christentums und jede Ausweitung des christlichen Raumes potentiell ein Zuwachs zum römischen Reich«, so formulierte zutreffend Hans-Georg Beck.125
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Ziemann, D. (2007), Vom Wandervolk zur Großmacht. Die Entstehung Bulgariens im frühen Mittelalter (7.–9. Jh.), Köln
1 Siehe etwa Taft, in: ODB, 251; Arranz (1982, 1983, 1984, 1985, 1986, 1987, 1989); Arranz (1978); Arranz (1996); einen Überblick über die Taufriten in Byzanz bieten Beck (1959), bes. 247 und Onasch (1981) 350–355, jeweils mit der älteren Literatur; grundlegend bleibt Wenger (1970) 66–104.
2 Dieser Forschungsansatz orientiert sich an Leppin (2011) 92ff.
3 Zur Taufe in der Spätantike und Patristik siehe jetzt die bei Wills (2012); Denysenko (2012) und die jeweils verzeichnete Literatur. Auch heute noch brauchbar zur Erstinformation ist der knappe Überblick bei Milasch (1905) 553–560; Staerk (1903).
4 Siehe bes. Goar (1730); Arranz (1996); Parenti/Velkovska (2000); Dimitrievskij (1901); Mateos (1962/1963) (siehe den Index II, 287). Ein Euchologion ist ein für den Vollzug der Liturgie und die Spendung der Sakramente notwendiges liturgisches Buch, so Onasch (1981) 109f.
5 Nagel (1980).
6 Ohme (2006) 272f.
7 Joannou (1962a) 313f. (De infantibus, quoties dubitatur utrum fuerint baptizati); zu dieser Synode siehe Ohme (2012) 74f.
8 Siehe bes. Nagel (1980) passim.
9 Ohme (2006) 116; Aland (1986); Jeremias (1958).
10 Zur Taufe Konstantins siehe immer noch Dölger (1913).
11 Dazu siehe etwa Mühlenberg (1998), Girardet (2007) und (2010) mit der sehr umfangreichen älteren Literatur.
12 Siehe Leppin (2003), bes. 169ff.
13 Siehe Noethlichs (1971); Noethlichs (1986), bes. 1152ff.; Fögen (1993); siehe CTh 9,16,1f. (gegen haruspices); antiheidnische Aktivitäten notiert Eus. Vita Const. 2.44,45; 3,26.48.53.55f. (66f., 95f., 104, 106f., 109f. Winkelmann).
14 So Noethlichs (1986) 1161; vgl. auch Brox (1986) 281–283; Leppin (2003) 175f.
15 Ebenda 1165; zur (Zwangs-)Taufe von 300 »Heiden« in Gaza (nach der Zerstörung der Tempel im Jahre 402) siehe Marc. Diac. Vita Porphyr. 26f., 41, 49–51, 63–74 (132–135, 150–153, 160–163, 174–187 Hübner); vgl. Trombley (1993) 188–244.
16 Bzw. Nomokanon XIV Tit., I.10 (Pitra [1858] 468).
17 Vgl. zuletzt Leppin (2011) 101 mit Anm. 23 auf S. 367 (Literatur); Esders (2008) 13f.
18 Ähnlich waren die Maßnahmen gegen Juden und Häretiker; siehe etwa C. 1.5.12,4 und N.45. Zur Behandlung der Juden siehe insbesondere Rabello (2009) und die einzelnen Beiträge in Jews in Byzantium (2012); Leppin (2011) 90 mit Anm. 192 auf S. 366, 97–102; zuletzt mit umfangreichen Literaturangaben Neri (2013).
19 Zu dieser byzantinischen Gesetzessammlung in 60 Büchern aus dem Ende des 9. Jhs. siehe Troianos (2011) 252–263.
20 Zum Nomokanon in XIV Titeln, dem gängigen Handbuch des byzantinischen Kirchenrechts (entstanden zu Beginn des 7. Jhs.; revidiert Ende 9. und Ende 11. Jahrhundert), weltliches (nomos) wie kanonisches (kanon) Recht systematisch geordnet enthaltend, siehe zuletzt Troianos (2012) 138–141; Troianos (2011) 198–202.
21 Siehe insbes. Tit. XI ( Περὶ αἱρετικῶν καὶ Ἑλλήνων) des Nomok. XIV Tit. (599–610 Pitra).
22 Siehe insbes. Coll. trip. I,5,1–21 (72–78 van der Wal/Stolte).
23 Siehe Troianos (2011) 194f.
24 App. Eccl. III,1–20 (101–106 Burgmann/Troianos); vgl. Troianios (2011), bes. 169–179.
25 Siehe Rochow (1976) 120–130; Leppin (2011) 99–102. Besonders zu erwähnen sind die Massenbekehrungen durch Johannes von Ephesos, dazu siehe Harvey/Brakmann, in: RAC 18 (1998) 561–563; Bruns, in: LACL (2002) 390f.
26 Pseudo-Dionysius Witakowski, 71: »There were found in the capital famous persons, nobles and others – grammatici, sophists, scholastici and physicians, and when they were exposed, on being tortured they denounced each other. They were arrested, scourged and imprisoned. (Then) these patricians and nobles were sent into churches to learn the faith of the Christians, as befitted pagans.«
27 Siehe die PLRE II, 881f. (Phocas 5). Wurde nach dem Nika-Aufstand 532 Prätorianerpräfekt. Siehe dazu zunächst Brandes (2014).
28 Dazu ausführlich Rochow (1976).
29 Dies soll im Rahmen eines Projektes zu den byzantinischen Hochverratsprozessen geschehen.
30 Siehe die PmbZ 3199; Alpers (1988); Brandes (2005) 102ff.
31 Uthemann (1999).
32 Siehe Honoré (1978).
33 Haehling (1978).
34 Rochow (1978), bes. 229–255; siehe auch die Beiträge in Salamon (1991).
35 Siehe allgemein Taft, in: ODB 390f.; Arranz (1978), bes. 36–53; Arranz (1983) 284–302; Arranz (1984) 43–64, 372–387; Dujarier (1961).
36 Taft, in: ODB 390; Gavrilyuk (2007) 329ff.
37 Zur Praxis in Konstantinopel siehe bes. Metzger (2004) 552–555 und die Sp. 570–574 mitgeteilte Literatur.
38 Siehe Metzger (2004), bes. 553f.
39 Burgmann (1983) 242f.
40 Siehe zu dieser Problematik Kaden (1953).
41 Rochow (1991) 104 listet die verschiedenen Deutungen auf.
42 Siehe den historischen Überblick in TIB I 54–60.
43 Zuletzt Kaegi (2010); siehe schon Kaegi (1992).
44 Siehe grundlegend Lemerle (1973); Garsoïan (1974); ältere Literatur bei Beck (1959) 335f. mit Anm. 2.
45 Dazu ausführlich Kaegi (1992) 171; Beihammer (2000) 184f. (Nr. 159).
46 Siehe die PmbZ 8237 mit allen Details; Cheynet (1998).
47 Beneševič (1987) 135–147; vgl. Arranz (1983) 77–79; Arranz (1993); weitere Angaben bei Eleuteri/Rigo (1993) 53ff.; siehe auch unten bei den Anm. 65, 78, 90 und 104.
48 Dazu umfassend Ditten (1993).
49 Womit man seit dem 9. Jahrhundert die dualistische Religion der Paulikianer und später der Bogomilen (und verwandte Häresien) bezeichnete.
50 Sog. Myronsalbung, siehe Staerk (1903) 127ff.; von Rudloff (1938); Welte (1939); Onasch (1981) 274f.
51 Siehe die Übersicht von Löhr, in: LACL (2002) 310f.; Brox (1986) 286f.
52 Beneševič (1906) 707–738 (auch in: PG 86, 12–74); CPG 7016; zuletzt zu ihm Carcione (1991); Beck (1959) 401f.; Schmidt, in: LACL (2002) 696.
53 Siehe z.B. folgende Handschriften: RHBR Nrr. 4–5. (Pos. 9, 14), 9 (Pos. 8), 21 (Pos. 64f.), 29 (Pos. 39f.), 36 (Pos. 25), 61 (Pos. 54f.), 83 Pos. 45f.), 147 (Pos. 8), 150 (Pos. 46f.), 220 (Pos. 30), 244 (Pos. 91), 286 (Pos. 44f.), 332 (Pos. 28f.), 345 (Pos. 42f.), 346 (Pos. 35), 356 (Pos. 57), 368 (Pos. 55f.), 377 (Pos. 42), 401 (Pos. 24f.), 404 (Pos. 77f.), 422 (Pos. 40).
54 Zur sog. Myronsalbung siehe Anm. 50.
55 Beneševič (1906) 707,7–17 (= PG 86.1, 13A); vgl. Milasch (1905) 558; Gouillard (1970) 185.
56 Text: Ohme (2006) 282–285; dazu die Einleitung a.a.O. 67–71. Zum Trullanum bzw. Quinisextum siehe zuletzt Ohme (2011) 77–84. Zum 5. und 6. Ökumenischen Konzil siehe zuletzt Hoffmann/Brandes (2013) 274–283, 291–300.
57 Siehe die Nachweise bei Ohme (2006) 282–285; Joannou (1962b) 53f.
58 Ohme (2012) 50; vgl. Hoffmann/Brandes (2013) 242.
59 Zu diesen und den gleich genannten Häresien siehe die einzelnen Lemmata im LACL (2002) oder im LThK3.
60 Siehe oben Anm. 50.
61 Siehe zu ihnen Hoffmann/Brandes (2013) 225–229.
62 Diese paraktizierten nur die einmalige immersio ( κατάδυσις).
63 Ohme (2006) 284. Die beiden letzten Paragraphen stammen nicht aus dem sog. Kanon 7 des Constantinopolitanum I, reflektieren also eher die Zustände im ausgehenden 7. Jahrhundert.
64 RKOR Nr. 1388 (S. 333f.); Lanata (1990).
65 Arranz (1996) 259–261; vgl. u.a. Goar (1730) 282f.; Beneševič (1987) 153–167; vgl. Arranz (1983) 68–69, 71–72.
66 Siehe bes. Eleuteri/Rigo (1993) (mit der älteren Literatur); Karmiris (1967); Salachas (1981); Oikonomidès (1990).
67 Siehe Troianos (2011) 198–202.
68 Arranz (1983) 53–56 = Arranz (1996) 262–267; Parenti/Velkovska (2000) 151–153.
69 Vgl. CPG 1015.5: Appendix zu den pseudoclementischen Recognitiones (zuerst von Cotelier 1698 ediert): a: Juden (PG 1, 1456–1461; vgl. Cumont 1902; b: Manichäer (PG 1, 1461–1472; vgl. Gouillard 1970, 187–189; Arranz (1983) 61–63, 64–65 = Goar (1730) 275; Parenti/Velkovska (2000) 153–155; Eleuteri/Rigo (1993) 125–157; Adam (1954) 64f., 97–103 = PG 100, 1321–1324; PG 1, 1461–1472.
70 Siehe zu ihm Beck (1959) 532f.; Darrouzès, in: DHGE 16 (1967) 63f.; Gouillard (1965); Eleuteri/Rigo (1993) 125–151; Ficker (1908).
71 Grumel/Darrouzès (1989) 40f. (Nr. 383 und 384).
72 Siehe Theoph. 495.1–10 de Boor.
73 Ignatius, Vita Nicephori 158f. de Boor.
74 Theoph. 497,4–6 de Boor.
75 Dölger/Müller (2009) Nr. 385a (S. 203) mit den Quellen und Literatur.
76 Siehe die Begriffsbestimmung oben in Anm. 4.
77 Parenti/Velkovska (2000) 19f.
78 Parenti/Velkovska (2000) 151–155.
79 Namentlich tauchen (Parenti/Velkovska [2000] 151) auf: Arianer, Makedonianer/Pneumatomachen, Sabbatianer, Novatianer/Katharer, Quartodecimaner, Tetraditen und Apoloniaristen.
80 Parenti/Velkovska (2000) 153; siehe auch oben bei Anm. 63.
81 Parenti/Velkovska (2000) 153.
82 Zu ihm siehe Diekamp (1900); Richard (1955) 331–362; Richard (1979).
83 CPG 7820.
84 Richard (1979) 251,4.
85 Brandes (2005) 109 mit Anm. 51 zu angeblichen Manichäern im 7.–9. Jahrhundert.
86 Siehe Garsoïan (1999a, 1999b, 2010, 2012).
87 Arranz (1983) 55f.; Goar (1730) 275.
88 Siehe die Übersicht und die Literatur bei Kazhdan, in: ODB 181f.
89 Informative Übersicht bei Toumanoff (1959); siehe auch Charanis (1961); Dédéyan (2003).
90 Arranz (1983) 65; Goar (1730) 275; zu den Athinganern siehe Rochow/Matschke (1991); Rochow (1983). Siehe auch bei Anm. 71 und gleich bei 92.
91 Dimitrijevskij (1901) 423–425; Goar (1730) 695; PG 1, 864–872 = PG 132, 1257–1265; vgl. Eleuteri/Rigo (1993) 66–69. Zu den religiösen Verhältnissen in den eroberten syrischen Gebieten vgl. Todt (2006).
92 Ficker (1906) 450–452 = Stork (1928) 12–14; Beneševič (1987) 130–133; vgl. Arranz (1983) 75–76; Caspari (1882) 307–313.
93 Dagron/Déroche (1991).
94 Leder (1987); Cameron (2002).
95 Bonfil (2012) 79–81 (632; Herakleios), 87f. (Leon III.), 89f. (Basileios I.); vgl. Cameron (2002); zu 632 siehe Devreesse (1937); Epifanovič (1917) 84; Starr (1940); Laga (1990); Dagron/Déroche (1991); Rochow (1991) 140; Dölger/Müller (2009), Nrr. 160, 168, 202g, 286 (S. 57, 62f., 78f., 154f.); Oikonomidès (1990) 147; Esders (2008) 19–21; siehe auch Stemberger (1983, 1993), der die historischen Nachrichten zu Zwangstaufen kritisch sieht.
96 Theoph. Cont. 95 (308/310 Ševčenko).
97 Dazu (u.a.) Oikonomidès (1990).
98 Ausführlicher dazu Oikonomidès (1990) 148ff.
99 Oikonomidès (1990) 151 spricht von einem »changement radical«.
100 Grumel/Darrouzès (1989) Nr. 430 mit Editionen und Literatur; siehe Goar (1730) 689–693; Dimitrievskij (1901) 190f., 776, 839f., 1026f.; neue Ausgabe mit französischer Übersetzung: Arranz (1990).
101 Siehe die Übersicht bei Brandes (1989) 44–80.
102 Siehe ausführlicher Oikonomidès (1990) 151f.
103 Siehe RHBR 47 (Pos. 16), 61 (Pos. 28), 148 (Pos. 39), 244 (Pos. 20), 264 (Pos. 15), 338 (Pos. 14), 352 Pos. 20), 371 (Pos. 81), 401 (Pos. 20), 404 (Pos. 73).
104 Parenti/Velkovska (2000) 151ff.; Arranz (1996) 262ff.; Beneševič (1987) 130ff.
105 Siehe Franklin (1983); Chrysos (1992); Čičurov (1990); Shepard (2007, 2008); sowie unten bei Anm. 113 und 117.
106 Rapp (1997, 2004, 2008); Macrides (1987); Macrides (1990).
107 Pitsakis (1998); zentral: Pitsakis (1985).
108 PLRE III, 555 (Grepes), 557f. (Grod); Engelhardt (1974) 84–87; Schäferdieck (1978) 515f.; Leppin (2011) 140; Claude (1989).
109 Siehe zuletzt Ziemann (2007) 356ff.
110 Podskalyky (1982), bes. 17–36 mit extensiver Bibliographie; siehe schon Anm. 105.
111 Podskalsky (1982) 41.
112 Skyl. 91,70–85 Thurn und Theoph. Cont. 163,19–164,17 Bekker; vgl. schon Podskalyky (1982) 19.
113 Zur byzantinischen Endzeiterwartung um 1000 a.D. siehe Brandes (2000); Ševčenko (2002) und Magdalino (2003).
114 Winkelmann (1989); so schon Treitinger (1938) 158f.
115 Siehe oben bei Anm. 13, 14 und bei 25–30 zum Heidentum.
116 Zur Missionstätigkeit in früh- und mittelbyzantinischer Zeit siehe u.a. Engelhardt (1974); Hannick (1978) 279–359; ODB 1380f.; Ivanov (2003); Esders (2008) 13–18.
117 Siehe oben Anm. 105 und zusätzlich Dvornik (1970); Konstantinou (1991).
118 Siehe Engelhardt (1974) 99–101.
119 Engelhardt (1974) 22–25; Bryer (1966/1967); Leppin (2011) 137f., 253 (mit neuerer Literatur); Maas (2003).
120 Engelhardt (1974) 80–84; Leppin (2011) 318; PLRE 1207 (Ztathius).
121 Valeriana (Enkelin des patricius und curopalates Nomos); siehe die PLRE II, 787 (Nomus 3) und 1141 (Valeriana 2).
122 Engelhardt (1974) 27ff., 104ff.; Berger (1995) 73–75.
123 Harvey/Brakmann, in: RAC 18 (1998) bes. 561–563; Allen (2000), 825f.
124 Schäferdieck (1978) 511f. und passim.
125 Beck (1967) 654.