Rechtsgeschichte – Legal History ist seit über 20 Jahren die Zeitschrift des Max-Planck-Instituts für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie. In allen Rubriken der Zeitschrift waren und sind stets einige unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihren Forschungsergebnissen vertreten. Auch im Rezensionsteil, Kritik, wirken sie regelmäßig als Rezensentinnen und Rezensenten mit. Allerdings werden hier keine eigenen rechtshistorisch relevanten Neuerscheinungen besprochen, sondern ausschließlich solche von außerhalb des Instituts, und dabei soll es bleiben. Um auch den vielfältigen Publikationen unseres Hauses einen Platz in Rg einzuräumen, möchten wir in dieser Rubrik jeweils zehn Titel hervorheben, die in jüngster Zeit von Angehörigen des Instituts publiziert worden sind – und sie kritiklos vorstellen.
Neuerscheinungen in den Publikationsreihen des Instituts sind unter https://www.lhlt.mpg.de/neuerscheinungen zu finden, die Publikationen der institutsangehörigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf den individuellen Profilseiten unter https://www.lhlt.mpg.de/wissenschaftler-innen.
This volume introduces the legal philosopher Adolf Reinach and his contributions to speech act theory, as well as his analysis of basic legal concepts and their relationship to positive law. Reinach’s thorough analysis has recently garnered growing interest in private law theory, yet his ›phenomenological realist‹ philosophical approach is not in line with contemporary mainstream approaches. The essays in this volume resuscitate and interrogate Reinach’s unique account of the foundations of private law, situating him in contemporary private law theory and broader philosophical currents. The work also makes Reinach’s methods more accessible to those unfamiliar with early phenomenology. Together these contributions prove that while Reinach’s perspective on private law shares similarities and points of departure with trends in today’s legal theory, many of his insights remain singular and illuminating in their own right.
Eugen Ehrlich, der Schöpfer des lebenden Rechts, gilt als Begründer der Rechtssoziologie, als Vordenker des Rechtspluralismus sowie als einer der führenden Freirechtler seiner Zeit. Der vorliegende Band widmet sich diesem außergewöhnlichen Juristen, seinem Leben, den historischen Kontexten und seinen bis heute andauernden interdisziplinären Rezeptionen. Darüber hinaus enthält er eine Edition von sieben neu entdeckten Aufsätzen Ehrlichs.
This volume explores the production of knowledge of normativity in the age of early modern globalisation by looking at an extraordinarily pragmatic and normative book: Manual de Confessores, by the Spanish canon law professor Martín de Azpilcueta (1492–1586). Intertwining expertise, methods, and questions of legal history and book history, this book follows the actors and analyses the factors involved in the production, circulation, and use of the Manual, both in printed and manuscript forms, in the territories of the early modern Iberian Empires and of the Catholic Church. It illustrates the different dynamics related to the materiality of this object that contributed to »glocal« knowledge production.
The legal history of the British Empire is still in its infancy. This book attempts to fill some of the gaps by focusing on legal transfer and legal geography. Its chapters are based on papers given at the stream »Legal Transfer in the Common Law World« for the Third Legal Histories of Empires Conference, held at the National University of Ireland, Maynooth, in 2022. They take us to present-day Australia, Canada and the United States, as well as to the Caribbean, East Asia and East and South Africa.
Covering the precolonial period to the present, the book provides a comprehensive overview of Latin American law, revealing the vast commonalities and differences within the continent as well as entanglements with countries around the world. Bringing together experts from across the Americas and Europe, this volume explains how law operated in different historical settings, introduces a wide variety of sources of legal knowledge, and focuses on law as a social practice. It sheds light on topics such as the history of indigenous peoples’ laws, the significance of religion in law, Latin American independences, national constitutions and codifications, human rights, dictatorships, transitional justice and legal pluralism, and a broad panorama of key aspects of the history of statehood and law.
How was the Council of Trent employed to address problems of ecclesiastical administration in the Brazilian empire? Going beyond a view of this normative set as rigid or as a battle flag for ultramontanists against liberals, this study dives into sources from the praxis of the Council of State (Brazil) and the Congregation of the Council (Holy See) and shows the Tridentinum as a rather plastic resource, modulated within a scenario of multilevel governance and multinormativity.
»Privilegien« gehören heute – negativ konnotiert – in allen Ländern zur politisch-sozialen Sprache, da sie dem Gerechtigkeitswert der »Gleichheit« in Staat und Gesellschaft widersprechen. Die ursprünglich rechtliche Bedeutung dieses ubiquitären Begriffs, die auf das römisch-kanonische Recht zurückgeht, ist heute weitgehend verschüttet. Der Autor zeichnet die europäisch dimensionierte Geschichte der »privilegia« und deren Bedeutung für die Entwicklung von Recht, Staat und Gesellschaft in der longue durée nach. Eine umfangreiche, territorial gegliederte Quellenübersicht, die in geringerem Umfang ursprünglich für Coings Handbuch (Bd. II/3) vorgesehen war, sowie eine nach Materien geordnete Bibliographie vom Mittelalter bis heute begleiten die Darstellung. So wird deutlich, dass Privilegien durch Differenzierung des Rechts für Einzelpersonen, Personengruppen und territorial bestimmte Geltungsbereiche auch einen individualisierten Gerechtigkeitswert repräsentieren, den erst die Aufklärung im Sinne der modernen »égalité« und des allgemein wirkenden Gesetzes – oft vergeblich – abzulösen versuchte.
Starting in Louisiana in the early nineteenth century, this book takes the reader on a journey through the USA and the development of their civil codes. From Georgia and New York, civil codes traveled to California and Dakota Territory; in the Great Plains, they made their way to Montana, North Dakota, and South Dakota by the end of the century. Unveiling the history of nineteenth-century civil codes in the USA, this book examines their origin stories, circulation, and usage by focusing on the social-historical context of their drafting and legal concepts.
Die juristische Methodik gehört zum Handwerk der praktischen Jurisprudenz und ist Grundlage jedes rechtswissenschaftlichen Arbeitens. Jeder Jurist, jede Juristin, jede Studentin und jeder Student muss sie beherrschen.
Der Band führt in die wichtigsten Methodenpositionen der letzten 200 Jahre ein – sein Titel ist Programm: Er behandelt juristische Größen von Savigny über Puchta, Jhering, Larenz, Esser, Wiethölter, Canaris, Rüthers und einige andere bis hin zu Teubner. Thematische Überblicke z.B. zur Geschichte der Methodenlehre und zur ökonomischen Analyse des Rechts vervollständigen die Einführung. Ihre Kenntnis ermöglicht selbstständig wissenschaftliches und praktisches Arbeiten mit Recht. Eine handliche Methodenlehre in zwölf Regeln hilft beim konkreten Auslegen und Fällelösen. Methodenlehre ist immer praktisch. Jede dieser Methodenpositionen wird an einem Fallbeispiel als Prüfstein durchgeführt. Dies zeigt auf, wo die Fälle und wo die Fallen zivilistischer Methodik seit Savigny liegen.
Die letzten Jahre des Deutschen Bundes sind Jahre des Auftakts zur Entstehung einer die Einzelstaaten überspannenden neuen Zivilrechtsordnung. Ein gemeinsames Handelsrecht, Schuldrecht, Zivilprozessrecht, Konkursrecht, Urheberrecht, Patentrecht und die Zusage gegenseitiger Rechtshilfe sollten dabei den ersten Schritt markieren. Es gab im Deutschen Bund starke Kräfte, die diese Entwicklung gefördert haben: zum einen die Mittelstaaten, die sich seit 1859 auf den Würzburger Konferenzen zusammenfanden, zum anderen Rechtswissenschaft und Rechtspraxis, die sich seit 1860 auf den Deutschen Juristentagen organisierten. Trotzdem wird in der rechtshistorischen Forschung vielfach noch immer angenommen, der Deutsche Bund habe für die Herstellung der Rechtseinheit im Deutschland des 19. Jahrhunderts wenig geleistet. Dieser Erzählung soll mit dem vorliegenden Band eine andere Erzählung entgegengesetzt werden.